Der deutsche Konzertmarkt hat sich nach der Corona-Pandemie eindrucksvoll erholt. 2024 besuchten rund 70 Millionen Menschen Konzerte – mehr als im letzten Vor-Corona-Jahr 2019. Gleichzeitig lag die Zahl der Konzerte insgesamt noch knapp unter dem Niveau von 2019. Ein genauer Blick auf die Daten zeigt jedoch eine bemerkenswerte Entwicklung: Während Großkonzerte besonders stark wachsen, haben kleinere Konzerte mit bis zu 500 Besucherinnen und Besuchern das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht.1 Was bedeutet das für Künstler, Veranstalter und die musikalische Infrastruktur in Deutschland?
Der Konzertmarkt ist zurück – jedoch ist die Erholung ungleich verteilt
Zunächst ist die Entwicklung des deutschen Live-Musikmarktes eine ausgesprochen gute Nachricht. Nach Angaben der GEMA wurden 2024 rund 70 Millionen Konzertbesucherinnen und -besucher gezählt. Damit wurde sogar das Besucheraufkommen des Jahres 2019, des letzten Jahres vor der Corona-Pandemie, übertroffen. Die Zahl der Konzerte lag mit 249.610 Veranstaltungen allerdings noch knapp unter dem Vor-Corona-Niveau.2
Die Zahlen zeigen damit zweierlei: Das Interesse des Publikums an Live-Musik ist eindeutig zurückgekehrt. Gleichzeitig ist die Erholung auf der Angebotsseite noch nicht vollständig abgeschlossen. Es gibt wieder sehr viele Konzerte, aber noch nicht ganz so viele wie vor der Pandemie.3
Noch interessanter wird das Bild, wenn man die Konzerte nach ihrer Größe betrachtet. Die GEMA hat die Veranstaltungen für 2024 nach Besucherzahlen geclustert und kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Fast 230.000 der insgesamt rund 250.000 Konzerte fanden vor maximal 500 Besucherinnen und Besuchern statt. Kleine Konzerte machen damit rund 90 Prozent der von der GEMA ausgewerteten Konzerte aus. Damit sind kleine Konzerte keineswegs ein Randphänomen. Im Gegenteil: Sie bilden mengenmäßig das Fundament der deutschen Konzertlandschaft. Auch die GEMA bezeichnet die kleinen Konzerte ausdrücklich als das „Rückgrat der deutschen Musiklandschaft“.4
Großkonzerte boomen – kleine Konzerte bleiben zurück
Beim Vergleich der verschiedenen Konzertgrößen in der GEMA Studie „Konzerte in Deutschland: Zahlen, Fakten, Hintergründe“ zeigt sich eine deutliche Verschiebung. Nach Angaben der GEMA verzeichneten Konzerte mit mehr als 5.000 Besucherinnen und Besuchern 2024 einen besonders starken Zuwachs und lagen gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent höher. Die Rekordzahl bei den Gesamtbesuchern dürfte wesentlich durch diese Entwicklung mitgetragen worden sein.
Bei den kleinen Konzerten sieht die Situation anders aus. Veranstaltungen mit maximal 500 Besucherinnen und Besuchern lagen 2024 weiterhin unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Gleichzeitig handelt es sich bei diesem Segment, wie bereits erwähnt, um rund 90 % aller von der GEMA ausgewerteten Konzerte.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Gegensatz: Der Konzertmarkt als Ganzes hat beim Publikum zwar wieder das Vor-Corona-Niveau überschritten, während sein zahlenmäßig größtes Segment zumindest in 2024 dieses Niveau noch nicht erreicht hat. Eine pauschale Aussage, die deutsche Konzertbranche habe sich vollständig von der Pandemie erholt, greift deshalb zu kurz. Genau auf diese Differenzierung weist auch die GEMA in ihrer eigenen Auswertung hin.
Auch die LiveMusikKommission kommt auf Grundlage der GEMA-Daten zu einer ähnlichen Einschätzung. Nach ihrer Auswertung fanden 2024 mehr als 91 Prozent der Konzerte in Spielstätten mit einer Kapazität von maximal 500 Personen statt; dieses Segment lag nach ihrer Berechnung noch 5,9 Prozent unter dem Niveau von 2019. Gleichzeitig legten die größten Veranstaltungen besonders stark zu.5
Dabei muss eine wichtige methodische Einschränkung berücksichtigt werden: Die detaillierte Clusteranalyse der GEMA für 2024 bezieht sich auf den Tarif U-K und damit vorwiegend auf Konzerte der Unterhaltungsmusik. Konzerte der ernsten Musik sowie Veranstaltungen mit Livemusik, bei denen der musikalische Auftritt nicht im Vordergrund steht, sind in dieser Auswertung nicht enthalten. Die Daten sind daher nicht als vollständige Abbildung sämtlicher Live-Musikveranstaltungen in Deutschland zu verstehen.
Was sagen die Zahlen für 2025?
Auch die Entwicklung 2025 spricht insgesamt für einen weiterhin starken Live-Musikmarkt. Die GEMA erzielte im Bereich Live- und Hintergrundmusik 2025 einen Ertrag von 530 Millionen Euro, nach 502 Millionen Euro im Vorjahr. Besonders kleinere und mittlere Veranstaltungen, darunter Party- und regionale Musikveranstaltungen, entwickelten sich laut GEMA positiv und lagen über dem Niveau der Vorjahre. Gleichzeitig berichtet die GEMA, dass 2025 weniger Stadion- und Großkonzerte stattfanden und der Sondereffekt der Fußball-Europameisterschaft aus dem Jahr 2024 entfiel. Rückgänge bei Stadion- und Großkonzerten wurden durch die Entwicklung im kleineren und mittleren Veranstaltungsmarkt nahezu kompensiert. Insgesamt wurden 2025 rund 870.000 Veranstaltungen abgerechnet; die GEMA weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass der Anstieg im kleineren und mittleren Veranstaltungsmarkt auch durch optimierte Verarbeitungsprozesse beeinflusst wurde.6
Die 2025er Zahlen sind allerdings nicht unmittelbar mit der detaillierten Konzert-Cluster-Auswertung von 2024 vergleichbar. Während die GEMA für 2024 eine spezifische Analyse der Konzerte nach Besuchergrößen veröffentlicht hat, beziehen sich die 2025er Angaben auf den größeren Bereich „Live- und Hintergrundmusik“. Daraus lässt sich deshalb nicht seriös ableiten, dass das konkrete Segment „Konzerte bis 500 Besucher“ 2025 bereits vollständig auf Vor-Corona-Niveau lag. Die Aussage, die sich aus beiden Datenquellen unseres Erachtens dennoch relativ sicher ableiten lässt, lautet: Live-Musik ist wirtschaftlich und gesellschaftlich wieder sehr relevant – und kleinere und mittlere Veranstaltungen spielen dabei eine zentrale Rolle.
Warum sind kleine Konzerte überhaupt so wichtig?

Die Bedeutung kleiner Konzerte lässt sich nicht allein anhand der Besucherzahlen beurteilen. Ein Konzert vor 100 oder 300 Menschen erfüllt häufig eine andere Funktion als ein Konzert vor 20.000 Menschen.
Kleine Veranstaltungen ermöglichen insbesondere eine hohe räumliche und soziale Nähe zwischen Künstler und Publikum. Sie bieten außerdem Platz für musikalische Genres, Programme und Künstler, für die große Arenen weder wirtschaftlich noch künstlerisch geeignet sind. Dass gerade kleinere und mittlere Veranstaltungsformate einen erheblichen Teil der Veranstaltungslandschaft ausmachen, wird, wie bereits oben erwähnt, auch durch die aktuellen GEMA-Daten bestätigt.
Hinzu kommt die Funktion kleiner Bühnen für die Entwicklung von Künstlerkarrieren. Künstlerinnen und Künstler müssen zunächst ein Publikum aufbauen, bevor größere Veranstaltungsorte wirtschaftlich funktionieren können. Kleine Clubs und Säle sind deshalb Teil einer Entwicklungskette, die von ersten Auftritten bis hin zu größeren Tourneen führen kann. Die Studie „Musikwirtschaft in Deutschland 2024“ beschreibt Konzertveranstalter und Live-Musik entsprechend als wichtigen Bestandteil der Musikwirtschaft.7
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes kleine Konzert zwangsläufig eine Vorstufe zum großen Konzert ist. Für viele Musikerinnen und Musiker sind kleine Veranstaltungen vielmehr der dauerhafte Kern ihrer künstlerischen Tätigkeit. Ein Kammermusikensemble, ein Jazztrio, ein Singer-Songwriter oder ein spezialisierter Interpret kann beispielsweise dauerhaft vor einem Publikum von einigen Dutzend oder wenigen hundert Menschen auftreten. Die geringe Größe ist deshalb nicht zwingend ein Zeichen mangelnden Erfolgs, sondern kann Teil des künstlerischen Formats und Geschäftsmodells sein.
Warum veranstalten Künstler kleine Konzerte auch selbst?
Es wäre zu einfach, die Selbstorganisation kleiner Konzerte ausschließlich damit zu erklären, dass Künstler keine Agentur finden.
Agenturen und professionelle Veranstalter übernehmen wichtige Funktionen innerhalb der Musikwirtschaft. Sie vermitteln Künstler, organisieren Veranstaltungen und Tourneen, akquirieren Auftrittsmöglichkeiten und übernehmen teilweise wirtschaftliche und organisatorische Risiken. Gleichzeitig existiert neben diesen professionellen Strukturen ein großer Bereich von Künstlern und kleineren Veranstaltern, die Veranstaltungen selbst organisieren. Die Studie „Musikwirtschaft in Deutschland 2024“ zeigt die große Vielfalt der Akteure und Geschäftsmodelle im Live-Entertainment-Markt.
Gerade bei kleineren Konzerten kann die direkte Organisation für Künstler sinnvoll sein. Ein Musiker kann beispielsweise selbst einen Raum anmieten, sein Publikum über soziale Medien oder einen eigenen Verteiler erreichen, Tickets verkaufen und die Veranstaltung durchführen. Dadurch bleibt ein größerer Teil der Beziehung zum Publikum unmittelbar beim Künstler. Das bedeutet nicht automatisch, dass Selbstveranstaltung wirtschaftlich lukrativer ist. Sie verschiebt vielmehr die Verantwortung: Der Künstler übernimmt neben der künstlerischen Arbeit auch Teile der Aufgaben eines Veranstalters.
Selbstveranstaltung ist deshalb nicht zwingend ein Zeichen des Scheiterns an professionellen Strukturen. Sie kann auch ein bewusst gewähltes Modell sein, um unabhängiger zu arbeiten, ein eigenes Publikum aufzubauen oder ein spezielles Konzertformat umzusetzen.
Was verdient ein Künstler bei einem kleinen Konzert?
Gerade bei dieser Frage ist Vorsicht geboten.
Eine allgemeingültige Aussage wie „Ein Künstler verdient bei einem Konzert mit 100 Besuchern X Euro“ lässt sich aus den verfügbaren Branchendaten nicht seriös ableiten. Zu unterschiedlich sind die Modelle: Manche Künstler erhalten eine feste Gage, andere werden prozentual an den Ticketeinnahmen beteiligt, wieder andere veranstalten selbst und tragen damit sowohl die Einnahmen- als auch die Kostenseite.
Die Studie „Musikwirtschaft in Deutschland 2024“ liefert dennoch einen interessanten Blick auf die wirtschaftliche Struktur von Konzertveranstaltern. Nach der dort ausgewiesenen Kostenstruktur entfallen 34,1 Prozent der Kosten auf Honorare und Provisionen an ausübende Künstlerinnen und Künstler, 26,7 Prozent auf Personalkosten und 9,2 Prozent auf technische Dienstleistungen und Fremdpersonalleistungen für Live-Musikveranstaltungen. Auf der Einnahmeseite stammen 71 Prozent aus dem Ticketverkauf für Musikveranstaltungen einschließlich Provisionen und Beteiligungen.8
Diese Werte sind allerdings keine Abrechnung eines einzelnen kleinen Konzerts. Sie beschreiben die von Oxford Economics ermittelte Struktur der befragten Konzertveranstalter. Sie dürfen deshalb nicht dahingehend interpretiert werden, dass beispielsweise 34,1 Prozent eines jeden Ticketumsatzes automatisch an die Künstler fließen. Jedoch zeigen die Daten ein wichtiges wirtschaftliches Prinzip: Der Ticketumsatz eines Konzerts ist nicht mit dem Einkommen des Künstlers gleichzusetzen. Zwischen dem Ticketpreis und dem tatsächlichen Einkommen eines Musikers stehen verschiedene Kosten und Vergütungen.
Das Problem kleiner Veranstaltungen: Kosten lassen sich nicht beliebig skalieren
Ein weiterer wirtschaftlicher Faktor kommt hinzu: Viele Kosten eines Konzerts sind nicht vollständig von der Besucherzahl abhängig. Ein Raum muss beispielsweise unabhängig davon angemietet werden, ob am Ende 50 oder 150 Menschen kommen. Auch bestimmte technische, organisatorische oder personelle Leistungen fallen unabhängig von der tatsächlichen Auslastung an. Das bedeutet: Eine Verdoppelung der Besucherzahl führt nicht automatisch zu einer Verdoppelung sämtlicher Kosten. Umgekehrt kann ein Konzert mit einer schwachen Auslastung schnell wirtschaftlich problematisch werden.
Die Kostenstruktur der Konzertveranstalter in der Musikwirtschaftsstudie verdeutlicht, dass insbesondere Personal, Künstlerhonorare und technische Dienstleistungen relevante Kostenblöcke darstellen.9
Für Künstlerinnen und Künstler kommt außerdem ein häufig unterschätzter Faktor hinzu: Die Bühnenzeit ist nur ein Teil der tatsächlich geleisteten Arbeit. Vorbereitung, Proben, Kommunikation mit Veranstaltern und Publikum, Reise, Aufbau, Soundcheck und Nachbereitung können einen erheblichen zusätzlichen Zeitaufwand darstellen. Wie hoch der tatsächliche Stundenverdienst eines Musikers ist, lässt sich deshalb nicht allein anhand der ausgezahlten Konzertgage bestimmen.
Warum machen Künstler kleine Konzerte trotzdem?
Wenn die wirtschaftliche Situation teilweise so schwierig ist, stellt sich eine berechtigte Frage: Warum veranstalten Künstler überhaupt kleine Konzerte?
Die Antwort liegt darin, dass ein Konzert mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen kann.
Es kann unmittelbare Einnahmen generieren. Gleichzeitig kann es dazu dienen, neues Publikum zu erreichen, bestehende Fans zu binden, neue Programme auszuprobieren, Referenzen aufzubauen, Kontakte zu Veranstaltern herzustellen oder die eigene künstlerische Sichtbarkeit zu erhöhen.
Der wirtschaftliche Wert eines Konzerts besteht deshalb nicht zwingend ausschließlich aus dem Gewinn des einzelnen Abends. Ein Konzert kann gleichzeitig Auftritt, Marketing, Publikumsentwicklung und berufliche Investition sein.
Diese Funktionen sind allerdings nur dann nachhaltig, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen langfristig tragfähig bleiben.
Was passiert, wenn die Basis des Konzertmarktes schwächer wird?
Genau hier liegt die eigentliche Bedeutung der GEMA-Daten. Wenn kleine Konzerte einen sehr großen Teil der gesamten Konzertlandschaft ausmachen, hat ihre Entwicklung Auswirkungen weit über einzelne Veranstaltungen hinaus. Die GEMA weist für 2024 darauf hin, dass fast 230.000 der rund 250.000 ausgewerteten Konzerte vor maximal 500 Menschen stattfanden.10
Sollten kleinere Bühnen dauerhaft wirtschaftlich unter Druck geraten, könnte dies deshalb nicht nur weniger Auftrittsmöglichkeiten für etablierte kleine Acts bedeuten. Es könnte auch den Zugang zu Bühnen für Nachwuchskünstler und weniger bekannte Künstler erschweren.
Diese Schlussfolgerung ist eine strukturelle Ableitung aus der Bedeutung des Segments, nicht eine Aussage, dass die GEMA-Daten selbst bereits einen solchen kausalen Zusammenhang beweisen.
Die LiveMusikKommission hat die GEMA-Zahlen 2024 entsprechend als Anlass genommen, auf eine mögliche strukturelle Schwächung des Fundaments der Live-Musik hinzuweisen.11
Die Perspektive ist damit eine andere als die reine Betrachtung der Gesamtbesucherzahl: Live-Musik kann insgesamt wachsen und gleichzeitig an der Basis strukturell unter Druck geraten.
Ein unterschätzter Engpass: geeignete Räume
Damit ein Konzert stattfinden kann, braucht es allerdings zunächst einen Ort.
Und genau hier beginnt ein Problem, das in der öffentlichen Diskussion über den Live-Musikmarkt weniger sichtbar ist: Nicht nur die Zahl der Veranstaltungen und Besucher ist relevant, sondern auch die Verfügbarkeit geeigneter musikalischer Infrastruktur.
Ein Künstler kann Publikum haben und trotzdem kein Konzert veranstalten, wenn kein geeigneter Raum verfügbar oder bezahlbar ist. Dabei muss ein solcher Raum nicht zwingend eine klassische Konzerthalle sein. Musikschulen, Kulturzentren, kleinere Säle, Bildungseinrichtungen, Kirchen oder andere Einrichtungen können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls als Veranstaltungsorte geeignet sein.
Die Frage der Verfügbarkeit kultureller Räume wird auch von der LiveKomm und anderen Akteuren der Kultur- und Veranstaltungsbranche als strukturelles Thema behandelt.12
Zwischen Angebot und Nachfrage liegt ein digitales Problem. Wie PianoMe bestehende musikalische Infrastruktur zugänglicher macht
Aus ökonomischer Sicht ist das zunächst ein klassisches Vermittlungsproblem. Auf der einen Seite existieren Räume, die zu bestimmten Zeiten nicht genutzt werden. Auf der anderen Seite suchen Musikerinnen und Musiker genau zu diesen Zeiten einen geeigneten Ort.
Beide Seiten können gleichzeitig existieren, ohne voneinander zu wissen. Ein Raum kann beispielsweise tagsüber für Musikunterricht genutzt werden und abends leer stehen. Ein Saal kann zwischen zwei regulären Veranstaltungen verfügbar sein. Ein Proberaum kann am Wochenende freie Kapazitäten haben.
Die physische Infrastruktur ist dann vorhanden – aber sie ist nicht zwingend sichtbar oder einfach zugänglich. Diese Überlegung ist eine eigene wirtschaftliche Schlussfolgerung und wird nicht unmittelbar durch die GEMA-Statistik bewiesen. Jedoch genau an diesem Punkt setzt PianoMe an.
www.piano.me ist eine digitale Plattform, über die Musikerinnen und Musiker musikalisch nutzbare Räume und Säle finden und buchen können. Das Ziel besteht nicht darin, neue Konzerthallen zu errichten. Vielmehr soll die bereits vorhandene Infrastruktur sichtbarer und einfacher zugänglich werden.
Für einen Musiker, der einen Raum für 50, 100 oder 300 Besucher sucht, kann genau diese Frage entscheidend sein: Wo gibt es einen geeigneten Raum, wann ist er verfügbar und wie kann ich ihn buchen? Eine digitale Plattform kann diesen Such- und Abstimmungsprozess vereinfachen.
Das Potenzial liegt dabei nicht ausschließlich in zusätzlichen Konzertveranstaltungen. Es kann auch um die bessere Auslastung bestehender Räume gehen. Ein Raum, der regelmäßig für Unterricht genutzt wird, kann außerhalb dieser Zeiten für Proben oder Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Ein Saal kann zwischen regulären Veranstaltungen zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten bieten. Eine Musikschule kann Räumlichkeiten außerhalb des eigenen Kerngeschäfts vermieten.
Für Betreiber kann eine solche zusätzliche Nutzung zusätzliche Einnahmen erzeugen. Für Musiker kann sie den Zugang zu geeigneten Räumen erleichtern. Und für das kulturelle Ökosystem kann sie bedeuten, dass vorhandene Infrastruktur wirtschaftlich länger erhalten und genutzt werden kann.
Der daraus abgeleitete mögliche Kreislauf wäre:
mehr Sichtbarkeit → mehr Nutzung → bessere Auslastung → zusätzliche Einnahmen → stärkere wirtschaftliche Grundlage für den Raum.
Dieser Zusammenhang ist eine analytische These und kein von der GEMA oder sonstigen Instutionen empirisch nachgewiesener Effekt von Plattformen.
Warum digitale Raumvermittlung gerade für kleine Konzerte interessant sein könnte?
Bei großen Konzerten sind Veranstaltungsorte und Infrastruktur typischerweise Bestandteil professioneller Veranstaltungsstrukturen. Bei kleinen Veranstaltungen ist die Situation häufig kleinteiliger.
Ein Künstler kann selbst Veranstalter sein. Eine Musikschule oder Kirche zum Beispiel kann einen Saal anbieten. Ein kleiner Kulturveranstalter kann gleichzeitig einen Raum für eine einzelne Veranstaltung suchen. Ein Ensemble kann einen Ort für ein Konzert benötigen, ohne über die Infrastruktur eines professionellen Tourneeveranstalters zu verfügen oder mehrere Websites durchzusuchen und anschließend jeden einzelnen Anbieter separat anzuschreiben oder anzurufen.
Je dezentraler und kleinteiliger der Markt ist, desto wichtiger kann deshalb die einfache Auffindbarkeit von Angeboten werden. PianoMe versteht sich dabei nicht als Ersatz für Veranstalter, Konzertagenturen oder Kulturförderung. Die Plattform adressiert einen konkreten Teil der Infrastrukturfrage: den Zugang zu vorhandenen musikalisch nutzbaren Räumen.
Die Zukunft der Live-Musik entscheidet sich nicht nur in Arenen
Die wichtigste Erkenntnis lautet zunächst: Die Menschen wollen wieder Live-Musik erleben. 2024 wurden rund 70 Millionen Konzertbesucher gezählt – mehr als 2019. 2025 erzielte die GEMA im Bereich Live- und Hintergrundmusik 530 Millionen Euro Ertrag.13
Gleichzeitig wäre es falsch, aus diesen Zahlen auf eine vollständig gleichmäßige Erholung des Konzertmarktes zu schließen. Die detaillierte GEMA-Analyse für 2024 zeigt, dass insbesondere Großkonzerte stark gewachsen sind, während Konzerte mit maximal 500 Besucherinnen und Besuchern weiterhin unter dem Niveau von 2019 lagen. 2025 wiederum entwickelten sich kleinere und mittlere Veranstaltungen laut GEMA positiv. Die Daten sind allerdings aufgrund der unterschiedlichen statistischen Abgrenzung nicht direkt mit der 2024er Clusteranalyse vergleichbar.
Damit bleibt eine zentrale Frage offen: Wie nachhaltig ist die Erholung an der Basis des Live-Musikmarktes?
Diese Frage lässt sich aus den vorliegenden GEMA-Daten allein nicht abschließend beantworten. Sie ist aber wirtschaftlich und kulturpolitisch relevant, weil kleine Veranstaltungen, wie bereits oben festgestellt, den überwiegenden Teil der Konzertlandschaft ausmachen.
Wer über die Zukunft der deutschen Live-Musik spricht, sollte deshalb nicht ausschließlich auf die größten Konzerte und die höchsten Besucherzahlen schauen. Ein Konzertmarkt mit einigen wenigen sehr erfolgreichen Großveranstaltungen kann hohe Besucherzahlen erreichen. Ein gesundes Musikökosystem braucht darüber hinaus aber auch zahlreiche kleinere Veranstaltungen, Räume, Künstler und Veranstalter.
Die GEMA-Zahlen zeigen, dass diese kleinen Konzerte mengenmäßig das Fundament bilden. Die Frage ist deshalb nicht nur:
Wie viele Menschen gehen wieder auf Konzerte?
Sondern auch:
Welche Konzerte können stattfinden – und unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen?
Aus unserer Sicht müssen dabei mindestens vier Faktoren zusammengedacht werden.
1. Künstlerinnen und Künstler: Sie benötigen Auftrittsmöglichkeiten, ein Publikum und wirtschaftlich tragfähige Bedingungen.
2. Publikum: Es braucht eine vielfältige Konzertlandschaft – von großen Shows bis zu Veranstaltungen vor wenigen Dutzend oder einigen hundert Menschen.
3. Veranstalter: Kleine Veranstaltungen müssen trotz Personal-, Technik-, Raum- und sonstiger Kosten wirtschaftlich organisierbar bleiben. Die Musikwirtschaftsstudie zeigt, wie bedeutend gerade diese Kostenblöcke für Konzertveranstalter sind.
4. Räume: Geeignete musikalische Infrastruktur muss vorhanden, auffindbar, zugänglich und wirtschaftlich nutzbar sein.
Gerade beim vierten Punkt liegt unseres Erachtens ein bislang unterschätztes Digitalisierungspotenzial, welches PianoMe nun erschließt und entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellt.
Fazit: Der Konzertmarkt wächst – aber seine Basis braucht Aufmerksamkeit
Die Erholung des deutschen Konzertmarktes ist zweifellos eine gute Nachricht. Die Besucherzahlen haben das Vor-Corona-Niveau übertroffen, und auch 2025 entwickelte sich der Live-Bereich der GEMA positiv. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass der Markt nicht homogen wächst. 2024 entwickelten sich Großkonzerte besonders dynamisch, während das zahlenmäßig mit Abstand größte Segment – Konzerte mit bis zu 500 Besucherinnen und Besuchern – noch unter dem Niveau von 2019 lag.
Das sollte nicht als Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Niedergang kleiner Konzerte verstanden werden. Die 2025er GEMA-Daten zeigen vielmehr, dass sich kleinere und mittlere Veranstaltungen positiv entwickeln können. Es zeigt aber, warum es sinnvoll ist, nicht nur auf die Spitze des Konzertmarktes zu schauen, sondern auch auf seine breite Basis.
Denn kleine Konzerte sind zahlreich. Sie schaffen Auftrittsmöglichkeiten. Sie ermöglichen Künstlern, Publikum aufzubauen. Sie bieten dem Publikum andere kulturelle Erlebnisse als Großveranstaltungen. Und sie benötigen Räume. Wenn diese Räume vorhanden sind, aber nicht effizient gefunden und genutzt werden können, entsteht ein vermeidbares Hindernis.
Genau hier können digitale Plattformen einen Beitrag leisten. Nicht als Ersatz für Kulturförderung. Nicht als Ersatz für Konzertveranstalter. Und nicht als Lösung für sämtliche strukturellen Probleme der Musikwirtschaft. Sondern als Infrastruktur für den Zugang zu vorhandenen Räumen.
Denn die Zukunft der Live-Musik entscheidet sich nicht ausschließlich in Stadien und Arenen. Sie entscheidet sich auch in den 50, 100, 300 und 500 Plätzen dazwischen.
- https://www.gema.de/de/aktuelles/song-economy/konzerte-in-deutschland-2024 (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.gema.de/de/w/geschaeftsbericht-2024-pressemeldung (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.gema.de/de/aktuelles/song-economy/konzerte-in-deutschland-2024 (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.gema.de/de/aktuelles/song-economy/konzerte-in-deutschland-2024 (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.livemusikkommission.de/konzert-zahlen-2024-mega-events-boomen-clubkonzerte-stagnieren/ (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.gema.de/de/w/geschaeftsbericht-2025-pressemeldung (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- Vgl. „Musikwirtschaft in Deutschland 2024“, Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Musikunternehmen unter Berücksichtigung relevanter Teilsektoren und Ausstrahlungseffekte ↩︎
- Vgl. „Musikwirtschaft in Deutschland 2024“, Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Musikunternehmen unter Berücksichtigung relevanter Teilsektoren und Ausstrahlungseffekte ↩︎
- Vgl. „Musikwirtschaft in Deutschland 2024“, Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Musikunternehmen unter Berücksichtigung relevanter Teilsektoren und Ausstrahlungseffekte ↩︎
- https://www.gema.de/de/aktuelles/song-economy/konzerte-in-deutschland-2024 (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.livemusikkommission.de/konzert-zahlen-2024-mega-events-boomen-clubkonzerte-stagnieren/ (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.livemusikkommission.de/konzert-zahlen-2024-mega-events-boomen-clubkonzerte-stagnieren/ (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
- https://www.gema.de/de/w/geschaeftsbericht-2025-pressemeldung (zugegriffen am 09.08.2026) ↩︎
Bildernachweis: PianoMe & KI

