Zwei Instrumente, eine Sprache: Seit mehr als 20 Jahren stehen Deborah Spiegel und Elena Lüthi gemeinsam auf der Bühne – als Duo LaLó verbinden die Geigerin und die Pianistin künstlerische Präzision mit einer Freundschaft, die weit über den Konzertsaal hinausreicht. PianoMe hat die beiden zum Gespräch getroffen und mit ihnen über die Anfänge ihrer musikalischen Partnerschaft gesprochen, über die Kraft, die aus Vertrauen und Reibung gleichermaßen entsteht, und darüber, wie sich Publikum und Klassikszene in den letzten Jahren verändert haben. Außerdem verraten Deborah und Elena, welchen Stellenwert Festival- und Nachwuchsarbeit für sie einnimmt und was sie am Konzept des Proberaumteilens von www.piano.me besonders überzeugt.
PianoMe (PM): Liebe Deborah, liebe Elena, vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview nehmt! Es ist uns eine große Freude, mit Euch sprechen zu dürfen.
Deborah Spiegel (DS): Auch von unserer Seite vielen herzlichen Dank.
Elena Lüthi (EL): Vielen Dank für die Einladung!
PM: Das freut uns sehr – vielen herzlichen Dank! Bevor wir ins Gespräch einsteigen, möchten wir Euch unseren Leser:innen gerne kurz vorstellen, auch wenn Euch viele sicherlich bereits kennen. Deborah, Du bist Violinistin, künstlerische Leiterin und Konzertmeisterin mit einer beeindruckenden internationalen Laufbahn. Bereits im Alter von sechs Jahren hast Du Deinen Geigenunterricht bei Deiner Großmutter Katharina Hardy in Zürich begonnen und wurdest früh mehrfach ausgezeichnet, unter anderem beim Internationalen Musikwettbewerb in Stresa sowie beim Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb. Als Solistin hast Du unter anderem mit dem Stadtorchester Winterthur und dem Zürcher Kammerorchester konzertiert. Seit vielen Jahren prägst Du als künstlerische Leiterin das Goppisberger Musikfestival und die Akademie und widmest Dich mit großer Leidenschaft sowohl der Konzerttätigkeit als auch der Förderung junger musikalischer Talente. Und Du, Elena, bist eine vielseitige Pianistin und erfahrene Musikpädagogin mit internationalem Hintergrund. Geboren in Bulgarien, hast Du bereits im Alter von fünf Jahren Deinen ersten Klavierunterricht erhalten und wurdest ebenfalls früh bei nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Deine musikalische Ausbildung führte Dich zunächst an die Musikakademie in Sofia und später an die Hochschule für Musik und Theater Zürich/Winterthur, wo Du Dein Konzertdiplom abgeschlossen hast. Neben Deiner regen Konzerttätigkeit im In- und Ausland widmest Du Dich mit großer Leidenschaft der pädagogischen Arbeit und unterrichtest seit vielen Jahren Klavier. Als Kammermusikerin verbindest Du technische Präzision mit musikalischer Tiefe und bildest gemeinsam mit Deborah seit über zwei Jahrzehnten ein außergewöhnlich eingespieltes Duo. Eine wirklich beeindruckende gemeinsame musikalische Reise!
EL: Ja, uns verbindet wirklich sehr viel. Es ist ein großes Glück, die beste Freundin auch als beste musikalische Partnerin zu haben. Und das schon seit über 25 Jahren.
Ein Duo, das verbindet: Deborah Spiegel und Elena Lüthi über ihr Duo LaLó, musikalische Harmonie und langjährige Zusammenarbeit
PM: Danke Euch! Übrigens, wie ist der Name „LaLó“ entstanden? Hat er eine besondere Bedeutung?
DS: Ja. Als Erstes geht es um den französischen Komponisten Édouard Lalo und sein beeindruckendes Werk „Symphonie espagnole“, das wir als Duo in unserem ersten Konzert aufgeführt haben. Und wir sind einfach ein La und ein Lo zusammen (lacht).
PM: Interessant! Ihr musiziert nun seit über 20 Jahren gemeinsam. Wie hat Eure musikalische Reise miteinander begonnen, und was hat Euch von Anfang an verbunden?
EL: Das verdanken wir der Großmutter von Deborah, Katharina Hardy. Sie hat sofort gespürt, dass wir zusammengehören! Sie hat uns im Goppisberger Musikfestival zusammengebracht.
PM: Neben der Musik verbindet Euch auch eine enge Freundschaft. Wie beeinflusst diese persönliche Ebene Eure Arbeit als Duo?
DS: Wir ergänzen uns sehr gut und können sehr offen und ehrlich miteinander umgehen.
Zwischen Klassik, Moderne und Tango – Über musikalische Vielfalt und gemeinsames Wachsen
PM: Euer Repertoire reicht von Klassik über Moderne bis hin zum Tango. Was reizt Euch an dieser stilistischen Vielfalt besonders?
EL: Wir entwickeln uns ständig und sind immer auf der Suche nach neuen Werken. Wir sind beide als Menschen sehr vielseitig interessiert und können es durch die Musik zum Ausdruck bringen. Wir sind vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik inspiriert.
PM: Sehr interessant! Was habt Ihr durch das gemeinsame Spiel im Duo über Eure eigene musikalische Arbeit gelernt?
DS: Wir sind als Duo mit unseren Instrumenten auf derselben Ebene. Und wir nehmen unsere musikalischen Ideen sehr ernst. Wir respektieren uns gegenseitig sehr.
PM: Eure Musik wird oft als leidenschaftlich, energiegeladen und zugleich harmonisch beschrieben. Wie würdet Ihr selbst Eure gemeinsame musikalische Sprache beschreiben?
EL: Ja genau, so spüren wir es auch. Wir sind wild, leidenschaftlich und doch harmonisch.
PM: Und was ist Euch im Zusammenspiel wichtiger: absolute Übereinstimmung oder bewusste Spannung im musikalischen Dialog?
EL: Das gemeinsame Musizieren funktioniert nicht ohne Spannung. Es ist aber nicht so, dass wir ganz laut miteinander streiten (lacht).
Konzertleben, Resonanz und Wandel – Wie sich klassische Musik heute verändert
PM: Ihr steht seit vielen Jahren auf der Bühne und habt unterschiedliche Generationen von Konzertpublikum erlebt. Wie hat sich das Publikum aus Eurer Sicht in den letzten Jahren verändert?
EL: Wir finden, dass das Publikum nach Corona lange Zeit gebraucht hat, um wieder den Weg in den Konzertsaal zu finden. Wir treffen aber immer auf ein sehr warmherziges und unterstützendes Publikum. Und das freut uns besonders.
PM: Habt Ihr das Gefühl, dass klassische Musik heute stärker „zugänglich“ oder vielleicht auch stärker unter Druck geraten ist, sich neu zu positionieren?
EL: Also unter Druck haben wir uns nie gefühlt. Und es ist ja klar, dass man sich immer wieder neu präsentieren muss. Das Publikum hat große Erwartungen. Und als Künstler:innen möchten wir auch den Zuhörer:innen gefallen und ihnen eine Freude machen.
PM: Welche Bedeutung haben neue Konzertformate, Crossover-Projekte und digitale Plattformen aus Eurer Sicht für die heutige Klassikszene?
DS: Wenn wir das junge Publikum ansprechen möchten, sind diese Plattformen sehr wichtig. Denn das ist unsere heutige Kommunikation.
PM: Vielen Dank für Eure ehrliche Einschätzung! Was macht für Euch ein wirklich gelungenes Konzerterlebnis aus – sowohl auf künstlerischer Ebene als auch im Austausch mit dem Publikum?
DS: Für uns zwei ist es das Allerschönste, unser Publikum zu begeistern und zu überraschen. Wenn wir jemanden zu Tränen gerührt haben, dann haben wir alles richtig gemacht.
PM: Wie schafft Ihr es, zwischen Tradition und neuen Impulsen die eigene künstlerische Identität zu bewahren?
EL: Wir sind sehr kritisch miteinander, und das bedeutet, dass wir uns ständig hinterfragen. Wir versuchen, unser Programm zwischen modernen und traditionellen Werken zu gestalten.
Festival, Akademie und Nachwuchs – Räume für musikalisches Wachstum schaffen
PM: Mit dem Goppisberger Musikfestival und der Akademie schafft Ihr seit vielen Jahren einen besonderen Raum für musikalische Begegnung und Entwicklung. Das Festival verfügt inzwischen über eine sehr lange Tradition. Was macht dieses Festival und die Akademie aus Eurer Sicht besonders – sowohl für junge Talente als auch für etablierte Künstler:innen?
DS: Dieses Festival ist einzigartig. Es besteht schon 40 Jahre und trägt den Geist meiner Großmutter Katharina Hardy. Für sie war das Fördern von jungen begabten Menschen eine Lebensaufgabe. Und in ihrem Sinne versuchen wir es so weiterzuführen.
PM: Welche Herausforderungen beobachtet Ihr aktuell bei jungen Talenten auf ihrem musikalischen Weg? Was braucht es heute aus Eurer Sicht, um junge Musiker:innen nicht nur technisch, sondern auch künstlerisch und persönlich zu stärken?
EL: Das Leben als professionelle:r Musiker:in ist eine große Herausforderung. Denn es braucht sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Und in der heutigen Zeit umso mehr. Die Konkurrenz schläft nicht.
PM: Wie wichtig sind dabei Festivals und Akademien als Orte des Austauschs und der Inspiration – gerade in einer sich wandelnden Musikwelt?
DS: Natürlich sehr wichtig! Vor allem der Austausch unter den Musiker:innen ist das A und O. Man lernt so viel voneinander. Solche Festivals sind der Grundstein, um Künstler:in zu werden.
Raum für Zukunft – Über PianoMe und kommende Projekte
PM: Danke Euch! Die nächste Frage kann ich mir leider nicht ersparen (lacht). Wie gefällt Euch das PianoMe-Konzept, und welche Bedeutung kann das Konzept des Proberaumteilens Eurer Meinung nach für Musiker:innen heutzutage haben?
EL: Ihr bietet uns eine große Flexibilität an, sowie eine unglaubliche Auswahl an Instrumenten. Euer Angebot ist einzigartig und wir schätzen es als Künstler:innen sehr.
PM: Herzlichen Dank Euch für Eure Meinung! Was sind abschließend Eure Ziele für die Zukunft? Wohin soll sich das Duo LaLó in den nächsten Jahren entwickeln?
DS: Natürlich mit neuem Repertoire und vielen neuen Bühnen, wie zum Beispiel bei Euch. Worauf wir sehr neugierig und gespannt sind.
PM: Liebe Deborah, liebe Elena, wir danken Euch für das sehr interessante Gespräch! Wir wünschen Euch alles Gute sowie viel Erfolg mit allem, was Ihr noch vorhabt! Wir bleiben in Kontakt.
EL: Auch wir bedanken uns und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit.
Copyright Bild: Duo LaLó

