Dieses Mal hat PianoMe das Duo Kaya getroffen, um mit ihnen über ihre Erfahrungen, ihre aktuellen Projekte und darüber zu sprechen, weshalb sie die Idee hinter PianoMe so begeistert.
PianoMe (PM): Liebe Anna, lieber Daniel, vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview nehmt! Es ist uns eine große Freude, mit Euch sprechen zu dürfen.
Daniel Kagerer (DK): Herzlichen Dank meinerseits.
Anna Yakusheva (AY): Vielen Dank für die Einladung!
PM: Das freut uns sehr, vielen Dank! Bevor wir ins Gespräch einsteigen, möchten wir Euch unseren Leser:innen kurz vorstellen, auch wenn Euch viele sicherlich schon kennen. Anna, Du bist Pianistin und Organistin, lebst seit einigen Jahren in Wetzikon und bist sowohl als Konzertmusikerin als auch als Klavierlehrerin an der MZO Musikschule Zürcher Oberland tätig. Neben Deinen Auftritten in der ganzen Schweiz liegt Dir besonders die musikalische Arbeit im kirchlichen Kontext am Herzen, wo Du mit Deinem Spiel Räume für Ruhe, Besinnung und Atmosphäre schaffst. Und Du, Daniel, bist Geiger im Opernorchester der Philharmonia Zürich und seit vielen Jahren sowohl im Orchester als auch solistisch und kammermusikalisch aktiv. Neben Deiner Arbeit am Opernhaus Zürich beschäftigst Du Dich intensiv mit dem Violinkonzert-Repertoire – von Beethoven bis Brahms – und der historischen Aufführungspraxis, unter anderem auch auf Barockinstrumenten. Gemeinsam seid Ihr als Duo Kaya unterwegs und verbindet Eure unterschiedlichen musikalischen Erfahrungen aus Orchester, Solo- und Kammermusik zu einem gemeinsamen Klangbild, das von Präzision, Ausdruck und dem Erzählen musikalischer Geschichten lebt.
AY: Ja, ich schätze die Möglichkeit sehr, Teil des kirchlichen Dienstes zu sein. Gleichzeitig genieße ich es natürlich auch, auf Konzertbühnen aufzutreten, besonders dann, wenn ich das Repertoire selbst mitgestalten kann. Umso schöner ist es, dass Daniel und ich in dieser Hinsicht die gleichen musikalischen Vorstellungen teilen (lacht).
DK: Ja, genau. Letztendlich geht es immer um die Freude, gemeinsam Musik zum Leben zu erwecken.
Zwei Musiker:innen, ein Klang: Anna Yakusheva und Daniel Kagerer über ihr Duo Kaya, musikalische Begegnungen und gemeinsame Wege
PM: Danke Euch! Wie ist eigentlich der Name „Kaya“ entstanden? Hat er eine besondere Bedeutung?
DK: Da meine Kinder ebenfalls schon fleißige Musiker:innen in verschiedenen Ensembles sind, haben wir etwas Erfahrung darin, einen treffenden Namen zu finden. In unserem Fall sind es die ersten 2 Buchstaben unserer Nachnamen, die wir zu einem neuen Namen verschmolzen haben.
AY: Ja, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Daniel für diese Idee. Übrigens hat „Kaya“ im Japanischen eine sehr schöne Bedeutung – das Wort kann mit „duftend“ oder auch „Blume“ übersetzt werden.
PM: Interessant! Warum habt Ihr Euch entschieden, als Duo aufzutreten? Was hat Euch musikalisch zueinandergeführt? Erinnert Ihr Euch noch an den Moment, in dem klar wurde: Das machen wir gemeinsam?
DK: Ich durfte mit Anna in einem größeren Ensemble ein Jahr zuvor arbeiten und wir haben uns auf Anhieb super verstanden. Ein paar Monate später fragte mich Anna plötzlich, ob ich Lust hätte, die Frühlingssonate von Beethoven mit ihr zu erarbeiten. Da dies eines meiner absoluten Lieblingsstücke ist, habe ich sofort zugesagt.
AY: Da kann ich Daniel nur zustimmen. Dieser unermüdliche, lebensfrohe Mensch und hervorragende Geiger hat mir eigentlich keine andere Wahl gelassen. Als mir die Noten der Frühlingssonate in die Hände fielen, dachte ich: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Also habe ich Daniel gefragt und er hat zugesagt. Seitdem ist aus dieser Idee viel mehr geworden: Wir haben zahlreiche gemeinsame Pläne, spannende Projekte und viele Konzerte vor uns.
PM: Was hat Euch als Duo besonders schnell zusammenfinden lassen und was war dabei vielleicht überraschend einfach oder auch herausfordernd?
AY: Wie ich bereits gesagt habe, ist Daniel nicht nur ein großartiger Geiger, sondern auch ein unglaublich positiver Mensch und unermüdlicher Arbeiter, wenn es um Musik geht. Trotz seines vollen Terminkalenders findet er immer Zeit für intensive und sorgfältige Proben.
Eine Herausforderung? Vielleicht besteht sie für mich darin, mit einem Musiker Schritt zu halten, der nicht nur stundenlang, sondern gefühlt tagelang musiziert. Das hält einen wach und motiviert (lacht).
DK: Mit Anna ist es wunderbar natürlich, Musik zu machen. Wir spüren einander musikalisch ganz natürlich und verstehen ohne viele Worte, was der andere ausdrücken möchte.
Klang, Repertoire und künstlerische Arbeit – Zwischen Violine und Klavier
PM: Gibt es Komponist:innen oder Epochen, die für Euch als Duo besonders gut funktionieren oder Euch besonders am Herzen liegen?
DK: Da meistens das Klavier das Hundertfache an Tönen zu spielen hat, bin ich einfach sehr dankbar, dass Anna bereit ist, das klassische und romantische Repertoire zu erforschen, und somit lassen wir auch bis zum Impressionismus nichts aus.
AY: Da kann ich Daniel nur zustimmen, eigentlich interessiert uns alles. Natürlich liegen mir russische Komponist:innen besonders am Herzen, aber es gibt noch so viel wunderbare Musik europäischer Komponist:innen zu entdecken und aufzuführen. Ich hoffe sehr auf eine lange gemeinsame Zukunft unseres Duos und darauf, viele unterschiedliche Programme gestalten zu können.
PM: Was mich persönlich interessieren würde: Wie verändert sich ein Werk, wenn es für die Violine bzw. das Klavier interpretiert wird? Was entdeckt Ihr in dieser Besetzung neu?
DK: Ein Ansatz ist, dass es oft eine gleichberechtigte Unterhaltung darstellt, und man als Geiger:in also versuchen muss, so gut wie möglich mit dem Klavierklang zu verschmelzen und das Klavier umgekehrt mit dem Ton der Geige.
AY: Ich habe das Gefühl, dass ein Werk in der Besetzung Violine und Klavier persönlicher und intimer wird. Natürlich kann man auch allein am Klavier einen Dialog oder sogar einen Streit musikalisch darstellen. Die Violine eröffnet jedoch zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten: neue Klangfarben, neue Artikulationen und Nuancen, die auf dem Klavier allein nicht möglich sind.
PM: Sehr interessant! Was habt Ihr durch das gemeinsame Spiel im Duo über Eure eigene musikalische Arbeit gelernt?
DK: Man lernt ganz viel Ehrfurcht und Demut vor den großen Komponist:innen der Vergangenheit. Wir sind nur die Botschafter:innen, sie sind die wahre Quelle der Inspiration.
AY: Wie treffend gesagt, Daniel! Darf ich mich deinen Worten einfach anschließen? Ergänzen möchte ich nur, dass das Musizieren im Duo immer ein Gespräch ist – während des Konzerts zwischen den Instrumenten und während der Proben zwischen den Musiker:innen. Man muss lernen, einander zuzuhören, sich wirklich zu verstehen, Kompromisse zu finden und gemeinsam die beste musikalische Lösung zu entdecken.
PM: Wo wir bereits über Eure eigene musikalische Arbeit sprechen: Wo entstehen im Duo die meisten musikalischen Entscheidungen? Im Probenraum oder eher im Moment des Konzerts?
DK: Da wir wirklich viel Spaß am Proben haben und uns sehr regelmäßig treffen, entstehen die meisten Ideen im Proberaum.
AY: Ja, die meisten Entscheidungen entstehen tatsächlich während der Proben. Gleichzeitig höre ich immer aufmerksam auf Daniel, und ich habe oft das Gefühl, dass wir uns im Konzert noch einmal von einer anderen Seite zeigen – vielleicht spontaner und begeisterter. Dann können einzelne Details plötzlich in neuem Licht erscheinen oder besonders lebendig wirken. Genau das macht Live-Musik so spannend.
PM: Interessant! Und was ist Euch im Zusammenspiel wichtiger: absolute Übereinstimmung oder bewusste Spannung im musikalischen Dialog?
DK: Da Beethoven und Brahms unglaublich genaue Vorgaben notiert haben, geht die Arbeit vor allem um die möglichst genaue Umsetzung dieser.
AY: Ja, wahrscheinlich eher die Übereinstimmung. Da unterstütze ich Daniel, zumindest solange wir uns nicht mit Barockmusik beschäftigen. Ab der Wiener Klassik haben die Komponist:innen ihre Vorstellungen meist sehr präzise in den Notentext eingetragen. Wenn wir diesen Hinweisen aufmerksam folgen, können wir die Gedanken der Komponistin bzw. des Komponisten möglichst authentisch an das Publikum weitergeben.
PM: Gibt es musikalische Projekte oder Richtungen, die Ihr mit Duo Kaya noch gerne entwickeln bzw. einschlagen würdet?
DK: Wir haben neben dem romantischen Repertoire auch eine große Liebe zur französischen Musik des Impressionismus, und werden die nächste Stückwahl in diesem Bereich vornehmen.
AY: Ja, unbedingt, der Impressionismus steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Aber auch die Musik des 20. Jahrhunderts interessiert uns sehr. Und natürlich gibt es bereits Pläne für Astor Piazzolla – seine leidenschaftliche und temperamentvolle Musik reizt uns beide sehr.
Publikum, Konzertleben und Gegenwart – Klassische Musik im Wandel
PM: Wie erlebt Ihr aktuell das Interesse des Publikums an klassischer Musik? Hat sich da in den letzten Jahren etwas verändert? Habt Ihr den Eindruck, dass sich das Publikum heute bewusster oder selektiver für Konzerte entscheidet als früher?
AY: Es fällt mir schwer zu beurteilen, ob sich das Publikum in den letzten Jahren verändert hat, da ich selbst erst seit fünf Jahren in der Schweiz lebe und seit etwa vier Jahren hier als Konzertmusikerin tätig bin.
Grundsätzlich habe ich jedoch den Eindruck, dass die jüngere Generation leider zunehmend den Bezug zur klassischen Musik verliert. Deshalb liegen mir Bildungsprojekte besonders am Herzen – Projekte, die Kindern und Jugendlichen helfen, klassische Musik kennenzulernen und vielleicht sogar lieben zu lernen.
DK: Ich erlebe ein sehr vielfältiges und durch alle Altersstufen vertretenes Publikum. Ein Teil des Publikums geht wegen einem bekannten Namen, ein anderer, um ein neues Stück kennenzulernen.
PM: Welche Rolle spielen Social Media in Eurem musikalischen Alltag und in der Konzertvermittlung?
AY: Im Moment spielen soziale Medien für die Vermittlung meiner beziehungsweise unserer Konzerte noch keine besonders große Rolle. Damit Social Media wirklich funktioniert, muss man kontinuierlich Zeit und Arbeit investieren. Und diese Zeit verbringe ich, ehrlich gesagt, lieber am Instrument.
DK: Da ich in einem riesigen Betrieb wie dem Opernhaus arbeite, muss ich mich nicht persönlich darum kümmern, das macht eine professionelle Marketingabteilung.
PM: Was mich auch noch interessiert: Seht Ihr Social Media eher als Chance, neue Zuhörer:innen zu erreichen, oder auch als Ablenkung bzw. Gefahr für die klassische Musikkultur? Und wie authentisch kann klassische Musik über Plattformen wie Instagram oder YouTube überhaupt vermittelt werden?
DK: Für die Zuschauer:innen ist Social Media sicher eine Bereicherung, für den Ausführenden kann es eine Menge Stress bedeuten. Dank Handymitschnitten kann jeder Ton für immer und überall auf der Welt nachträglich gehört werden. Und wehe, man hat mal einen schlechten Abend gehabt.
AY: Einerseits kann ich Daniels Bedenken gut nachvollziehen. Die Welt der klassischen Musik ist oft sehr streng, wenn es um Fehler geht, und viele Musiker:innen setzen sich dadurch selbst stark unter Druck.
Andererseits erlebe ich bei mir selbst, bei Freund:innen und auch bei meinen Schüler:innen, dass Plattformen wie YouTube den musikalischen Horizont enorm erweitern können. Man kann dort viel entdecken und lernen. Deshalb glaube ich, dass soziale Medien sowohl positive als auch negative Seiten haben – letztlich hängt vieles davon ab, wonach man sucht.
Wenn es jedoch um das tiefste Erleben und den größten Genuss von Musik geht, bleibt für mich der Konzertsaal unersetzlich. YouTube eignet sich hervorragend zum Lernen und Kennenlernen neuer Musik. Der Konzertsaal hingegen ist der Ort, an dem echte Liebe zur Musik entsteht.
Blick nach vorn – PianoMe und Zukunftspläne
PM: Danke Euch! Die nächste Frage kann ich mir leider nicht ersparen (lacht). Wie findet Ihr das PianoMe-Konzept?
DK: Wir als Künstler:innen sind sehr dankbar für Euren Enthusiasmus und Euer sehr musikerfreundliches Umfeld.
AY: Die Idee von PianoMe liegt mir sehr am Herzen. Nach meinem Umzug in die Schweiz habe ich selbst erlebt, wie schwierig es manchmal sein kann, einen guten Flügel oder einen geeigneten Proberaum zu finden. Was in Moskau für mich selbstverständlich war, erforderte hier deutlich mehr Aufwand.
Als ich PianoMe kennengelernt habe, dachte ich deshalb sofort: „Genau so ein Projekt hätte ich damals gebraucht.“
Für Musiker:innen ist www.piano.me weit mehr als nur eine Buchungsplattform. Es erleichtert die Suche nach Räumen für Kreativität, Begegnungen und Proben und schafft die Möglichkeit, neue künstlerische Projekte zu verwirklichen. Gerade deshalb halte ich dieses Projekt für so wertvoll und wichtig.
PM: Herzlichen Dank Euch für Eure Meinung! Was sind abschließend Eure Ziele für die Zukunft? Wohin soll sich das Duo Kaya in den nächsten Jahren entwickeln?
DK: Da das Repertoire unendlich ist, und wir unglaublich enthusiastisch veranlagt sind, werden wir einfach eine musikalische Perle nach der anderen entdecken.
AY: Da kann ich eigentlich nichts hinzufügen. Vielleicht nur den Wunsch nach ein paar zusätzlichen Stunden pro Tag, damit genügend Zeit bleibt, all die wunderbare Musik zu spielen, die wir noch entdecken möchten (lacht).
PM: Liebe Anna, lieber Daniel, wir danken Euch für das sehr interessante Gespräch! Wir wünschen Euch alles Gute sowie viel Erfolg mit allem, was Ihr noch vorhabt! Wir bleiben in Kontakt.
AY: Vielen herzlichen Dank auch Euch für das interessante Gespräch und für Eure Arbeit. Wir wünschen PianoMe weiterhin viel Erfolg und eine spannende Zukunft.
DK: Danke Euch vielmals. Die Vorfreude ist riesig.
Copyright Bild: @Duo Kaya

